| Hier finden Sie Kommentare von 50 Probelesern:Es ist die Erzählung einer völlig neuen Sichtweise über das Leben im Allgemeinen und eine Auseinandersetzung mit philosophischen Ansätzen im Speziellen. ----- Man merkt dem Buch an, dass der Autor sich genau informiert und nicht einfach nur drauf los geschrieben und seiner Fantasie freien Lauf gelassen hat. ----- Viel Action treibt die Story voran, zumal Sie sich auch nicht mit langwierigen Beschreibungen aufhalten. ----- Wunderbar finde ich, wie Sie die Handlungsstränge angelegt haben und wie sie sich miteinander verbinden. ----- Wohltuend war für mich, dass es keine offensichtlichen Anleihen aus bekannten Sci-Fi-Geschichten gibt – zumindest keine mir bekannten. Insgesamt gibt es viele Möglichkeiten für spannende Fortsetzungsgeschichten. ----- Die Charaktere bieten Lesern und Zuschauern jeder Altersgruppe eine Person, mit der sie sich identifizieren können. Sie werden also ein großes Publikum ansprechen. Die Kreation dieser Welt in der Zukunft ist ja genau das, worauf wir im Moment hinsteuern. ----- Sehr gut gefallen mir das Hinterfragen der religiösen Dogmen und die philosophischen Fragestellungen nach dem Sinn des Lebens. Es wird viele Leser/Zuschauer dazu anregen nachzudenken. Außerdem wird dieses Buch Anstöße geben, die sicherlich auch öffentlich diskutiert werden. ----- Wegen des Hintergrunds an soziokultureller Auseinandersetzung mit aktuellen Themen ist die Saga nicht allein Fabulierkunst. ----- Was mir auch sehr gut gefällt ist der Part des Erzählers zu Beginn der Szenen, das macht den Leser nachdenklich, denn es wirkt ruhig und bedacht. ----- Die philosophischen Kommentare Primans am Beginn eines jeden Kapitels regen den Leser immer wieder zum Nachdenken an und kreieren zwei verschiedene Erzählebenen, die das Buch noch spannender machen. ----- Priman lebt von sehr starken ethischen Standpunkten zu Individuum wie Gesellschaft und deren Artikulation. ----- Sehr gut finde ich die eingestreuten philosophischen Gedankengänge und Hintergrund-Überlegungen, ebenso wie die Figur des Priman, der bis zu einem gewissen Grad die Fäden zu ziehen scheint, Einfluss ausübt, ohne gleich Gott höchstpersönlich zu sein. Seine Überlegungen erzeugen Spannung und Neugier. ----- Spannungsaufbauend ist die eindringliche Stimme aus dem Off. Vielleicht manifestiert sich diese ja noch im Roman selbst, an sehr viel späterer Stelle? ----- Durch das Eintreffen von Außerirdischen kippt das religiöse, politische und philosophische Weltbild der Erde: So wie durch die EU und die Globalisierung die Verhältnisse in den bisherigen Nationalstaaten aufgebrochen werden. Priman ist hier vergleichbar mit einem Entwicklungshelfer. ----- Transzendenz: Wie weit ist der Weg einer Figur nachvollziehbar, wenn sie das physische Dasein verlässt. ----- Insgesamt denke ich, dass Sie sich eine sehr komplexe Geschichte ausgedacht haben, die so sehr in unserer Welt spielt, dass man gut mit den Figuren miterleben kann, aber auch ausreichend neue, spannende und fantastische Elemente enthält. ----- Es geht am Ende um ein neues Miteinander im Zustand des Wissens und der Erfahrung der eigenen Unsterblichkeit. ----- Insgesamt muss ich Ihnen ein großes Kompliment aussprechen. Ich habe wirklich schon viel gelesen, bin aber selten so fasziniert von einer Story. ----- Jedenfalls haben Sie hier ein exzellentes Werk angefangen, bzw. geschaffen. ----- Das Projekt ist sehr anspruchsvoll, fordert einen wachen Geist, viel Phantasie auf der Basis soliden Wissens und - was ich für ganz wichtig halte - Menschenliebe, das heißt: der humanistische Grundgedanke wird sich wie ein roter Faden hindurchziehen. -----Es ist eine spannend erzählte, gut angelegte Geschichte, in der einmal die drohende Invasion von außen, zum anderen die „innere“ Mission von Erzähler, Elias, Tom und Clara die Handlung vorantreiben. Die dargestellten Zukunftsszenarien sind vorstellbar und haben noch ausreichend Bezug zur Welt fünfzig Jahre zuvor. Die Probleme, Gefahren und Fehlentwicklungen unserer aktuellen irdischen Gesellschaften werden thematisiert und sind konsequent weiterentwickelt (zu drohenden Horrorszenarien). Darin eingebettet sind interessante philosophische Betrachtungen über die grundlegenden Fragen unseres Daseins. ----- Die Hintergrundgeschichte ist sehr anspruchsvoll und verbindet Elemente des klassischen Mythos (Göttergeschichten) mit philosophischen und weltanschaulichen Elementen, die in der Tradition Hegels oder Nietzsches auf der Idee einer kontinuierlichen Höherentwicklung der Lebewesen und Völker beruht und die damit verbundenen individuellen und kollektiven Konflikte thematisiert. Es liegt nahe, dass der Autor den von ihm entworfenen Mythos als Metapher für die Situation der Menschheit in der Gegenwart begreift. ----- Die Hintergründe, sowohl politisch als auch gesellschaftlich, sind sehr gut nachvollziehbar, bedenkt man momentane Probleme unserer Gesellschaft, darunter Terrorismus, Klimawandel, Rassismus und die immer währende menschliche Intoleranz. Es gibt sowohl die regimegetreuen, als auch diejenigen, die sich in eine Welt außerhalb der geregelten und Gesellschaft flüchten. Doch wie immer, werden diese Individuen auch hier verfolgt und unterdrückt. Auch eine technologische Weiterentwicklung in Richtung der im Buch beschriebenen Technologien ist durchaus vorstellbar. ----- »Sympathisch« sind deshalb die drei Hauptfiguren – neben allen anderen – in erster Linie ihrer vielschichtigen »Menschlichkeit« wegen; ich setze Menschlichkeit deshalb in Anführungszeichen, weil sie für Priman als einem Außerirdischen selbstverständlich ebenso gilt, aber eben nicht als Angehörigen der Gattung Homo sapiens sapiens. Ihr Heldentum wird immer wieder gekreuzt von den Zweifeln, denen Menschen nun einmal ausgesetzt sind, wenn sie ihr Leben gestalten müssen - möglicherweise gegen ihren Willen. Sie sind Helden wider Willen und suchen immer wieder die Flucht in die kleine kuschlige Welt ihres Ego: wo sie ungestört sich als Götter gerieren können, ohne die Folgen verantworten zu müssen. Es sind »echte« Gestalten, weil sie gerade die menschlichen Facetten erleben, die der Held vor allem von Science-Fiction-Plots oft umgeht. Es sind allerdings keine »netten« Menschen, keine Gutmenschen, keine Moralapostel; auch das macht sie so sympathisch. Dass sie sich dem Weg stellen und ihn wider alle Ungewissheit und Angst gehen, macht sie zu Identifikationsfiguren. ----- Die von Beginn an großzügige, aber auch ehrgeizige Anlage Ihres „Priman“-Projekts ist positiv. Eine neue Science-Fiction-Saga von vornherein in Deutsch und Englisch, mit Büchern, Comics, Drehbüchern und Computerspielen langfristig zu planen, ist zweifellos sinnvoll. Nahezu alle erfolgreichen und bekannten SciFi-Sagas haben eben ihren Bekanntheitsgrad und ihre lange Wirkungsdauer, gerade mit Blick auf die typische Zielgruppe des Genres, nicht zuletzt solch einer breiten multimedialen Präsenz zu verdanken. ----- Die Geschichte basiert auf der Annahme, dass Außerirdische, die Primarjaner, unser Universum geschaffen haben. Damit sind sie eine Art Götter. Sie sind aber nicht das personifizierte Gute, wie die Christen ihren Gott sehen, sondern mehr so wie die der alten Griechen und Römer, die auf launische Naturgewalten zurückgehen (Meer, Sturm, Vulkane), oder auf ebensolche Herrscher (Augustus ließ sich schon zu Lebzeiten wie ein Gott verehren). Wie diese haben die Primarianer neben Stärken auch Schwächen: sie sind z.B. lethargisch, sie können den Zerfall ihres Universums nicht mit Sicherheit abwenden, sie können die Emotionen anderer nicht nachempfinden und entstehende Konflikte nicht verhüten. Das ist eine interessante Auffassung, sie erspart die schwer zu beantwortende Frage: Warum hat Gott das zugelassen. Die Primarjaner gleichen aber auch uns selbst: den Bewohnern Europas oder der USA, die zu kapitulieren drohen vor den Gefahren für Klima und Umwelt, vor Armut und Ungleichheit und den Krisenherden dieser Welt; alles Dinge, die sie selber mit erzeugt haben. Unsere große technische und finanzielle Überlegenheit macht uns auf der Erde zu einer Art von kleinen Herrgöttern, und im Zeitalter des Kolonialismus haben wir versucht, überall Miniaturausgaben von Spanien, England, Frankreich usw. zu schaffen. Kolumbus und seine Leute wurden in Südamerika anfangs ja auch für Götter gehalten. Einer der Außerirdischen, Priman, ist der Erzähler: Das ist also die geheimnisvolle Person, die zu Beginn der Leseprobe auf der Website Tom beobachtet. ----- Das Projekt dieser Science Fiction Saga wirkt gut durchdacht und lässt dennoch noch genügend Raum für unerwartete Wendungen der Geschichte. Der Ansatz zeugt von Hintergrundwissen in Fragen der Theologie, der Soziologie und der Politik sowie der Naturwissenschaften. Der uralte Zwist zwischen Rationalität und Metaphysik wird hier ebenso thematisiert wie die Eingeschränktheit des menschlichen Wissens und die sich dadurch ergebenden Probleme im menschlichen Miteinander. Damit einhergehende Entwicklungen und Emotionen zeigt der Autor sehr eindrucksvoll im Positiven wie im Negativen. So spiegeln sich manche Probleme der zeitgenössischen Gesellschaft und einiger Kulturen in erschreckender Deutlichkeit in dem Roman; Rassismus, Intoleranz, Fanatismus gepaart mit Todessehnsucht, Terror, Schüren von Angst, der Versuch einer totalen Überwachung des Einzelnen zum Zwecke der Machterhaltung und dennoch eine deutlich erkennbare Ohnmacht gegenüber alternativen Weltbildern. Doch ebenso die Weltflucht der Einzelnen in eine Sehnsucht nach einer besseren Welt, sei es die Vorstellung von einem Leben nach dem Tod, sei es der Aufbau einer harmonischen kleinen Welt in einer Seifenblase, sei es die Flucht vor der Realität durch Aussteigen oder dem Erwarten eines Erlösers und Messias wird eindrucksvoll dargestellt. Die geschilderte Gesellschaft wirkt durch ihre Vielfalt und in ihren Facetten glaubhaft und realistisch. Die Vielfältigkeit der Charaktere verlangen Perspektivenwechsel, die im Roman angelegt sind. Ein durchaus bekannter Kunstgriff, der sich mehrfach in der Literaturgeschichte wiederfinden lässt. Ebenso lassen sich bekannte literarische Topoi, wie z.B. der Blick des Fremden wiederfinden. Der Umriss der Welten und Gesellschaften in den Galaxien erlauben eine Erwartung mit der Auseinandersetzung vom Miteinander sowie eines Erklärungsversuchs des Unerklärlichen auf sowohl traditioneller, auf bekannte Geschehnisse basierender Weise wie auch auf moderner, phantastischer und utopischer Art. ----- Es hat mich im Verlauf der Lektüre zunehmend fasziniert, wie unsere antimythisch »entzauberte« (Max Weber) moderne Zivilisation zunächst als mythischer Kosmos aufgebaut wird, um dann Stück für Stück wieder entzaubert und in Realität transformiert zu werden. Den Gipfel dieser Entzauberung habe ich im Aufdecken der Motive empfunden, die zur Krise geführt haben: der Verkauf der Erde verleiht dem Plot massiv satirische Züge, mit denen alle Mythologie und Esoterik radikal enttarnt werden, um nur einen Aspekt des Erzählten zu streifen. ----- Die »wahre« Religion vermag den Kosmos so zu beschreiben, wie er tatsächlich ist, während die »falsche« auf unvollständigen Beobachtungen und folglich falschen Interpolationen und Interpretationen beruhend denselben Kosmos anders darstellt. »Wahre« Religion beruht also auf dem »richtigen« und umfassenden Wissen über den Kosmos, sie löst sich als »richtige« Religion in Wissen auf. Glaube hingegen bemüht sich, den Mangel an Wissen durch Überzeugung zu ersetzen und erscheint deshalb als eine defizitäre Form des Wissens. ----- Eine falsche Ethik beruht auf einer falschen Religion, die wiederum falschem bzw. unvollständigem Wissen aufsitzt. Die richtige Ethik wird deshalb nur von der richtigen Religion vermittelt, schlussendlich also von einem umfassenden Wissen um den Kosmos. Dieses vordergründig religionskritisch aufklärerische Modell von Religion ist selbst wieder religiös, denn das absolute Wissen um den Kosmos kann es nur unter Voraussetzung eines absoluten Urgrundes geben, aus dessen Perspektive und mit dessen absoluten Wissen Wahr und Falsch endgültig voneinander unterschieden werden. Der Absolute Urgrund, der Unbewegte Beweger, der Schöpfer des Alls, die voraussetzungslose Ursache aber ist die genuine Perspektive der Religion auf die Welt, aus der erst sie als Kosmos erscheint. ----- Die politische Wahrheit, die vom Seychellen-Regime ebenso verschleiert und unterdrückt wird wie von der Weltregierung, verschränkt sich mit der kosmischen Wahrheit, denn die wird ja in der verbotenen Religion transportiert. Der politische ist deshalb zugleich ein religiöser, und insofern er für die »wahre« Religion geführt wird, auch ein Kampf um die Wahrheit, und von da aus wieder ein solcher um die Freiheit, insofern Unterdrückung die Behinderung dessen meint, was jemand erstrebt und Menschen nach ihrem wahren Ursprung streben, weil nur dort sie frei, d.h.: sie selbst sind. Freiheit, und hier wird eine ganz klassische Position eingenommen, kann es nur in der Entfaltung des eigenen Wesens, der eigenen Natur geben, deshalb ist der Kampf um die Freiheit immer ein religiöser Kampf, solange das eigene Wesen in religiösen Kategorien bestimmt ist. Religiöser Terrorismus ist aus diesem Grund so gefährlich: er läßt sich nicht durch die Gefährdung des menschlichen Lebens beeindrucken, weil das »wahre« Leben sowieso nur durch das Tor des Todes erreicht werden kann. Was unterscheidet dann aber die Weltregierung und ihre »freien« Vasallenstaaten (z.B. die Seychellen) vom religiösen Terrorismus? Was unterscheidet die unterdrückte »wahre« Religion vom religiösen Terrorismus? Mit diesen Fragen werden verschiedene Beziehungsgeflechte im Plot befragt. In der ersten wird die Beziehung der Regierung zur Wahren Religion befragt, die zweite fordert eine Differenzierung zwischen Terrorismus und legitimem Kampf gegen das politische System ein, erweitert um die Differenz zwischen Wahrer Religion und einer solchen, die in Terrorismus ausarten kann. Die Regierung verfolgt offensichtlich eine falsche Idee vom Kosmos, weil sie die menschliche Gesellschaft und Zivilisation absolut setzt; das mag aus Machtkalkül geschehen, weil seine Machtansprüche legitimieren muß, wer eine höhere Wesensinstanz über sich anerkennt. Es kann auch auf falschen wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen, nach denen es niemanden außer dem Menschen geben kann. Hinaus läuft beides auf dieselbe falsche, hochmütige Überzeugung, die einzige intelligente Lebensform im erreichbaren Universum zu sein: eine »Krone der Schöpfung«.(Woher kommt die Intoleranz? Denn um die geht es: der Staat ist intolerant gegenüber anderen Überzeugungen, um seine eigene Überzeugung zu schützen.) Auch der Terrorist sitzt einer religiösen Überzeugung auf, die er mit derselben Intoleranz gegen andere Überzeugungen vertritt. Sind beide »religiösen« Überzeugungen falsch, weil sie sich mit Intoleranz umgeben? Ist Toleranz gegenüber dem Leben ein notwendiges Merkmal der Wahren Religion? ----- Die Gefahr, der die Menschheit ausgesetzt ist, ist der »Markt«, und zwar in zweierlei Hinsicht: erstens wird die Welt der Menschen inklusive der Menschen selbst zur Ware, zum Ausbeutungsobjekt Außerirdischer, zum zweiten werden die Menschen »marktgerecht« befriedigt: sie erhalten Glücksplacebos, mit denen sie blind und taub gemacht werden für die ausbeuterischen Umstände, unter denen sie leben. Ihr Bewusstsein wird in eine virtuelle Welt abgeschoben und dort »glücklich« gehalten, indem man die emotionalen Bewegungen steuert, während sie rigoros als Rechenmaschinen versklavt werden; ein ähnliches Motiv verwendet der Film »Die Matrix«, und George Orwell arbeitet es in Brave New World ebenfalls aus, mit anderen Schwerpunkten. Es verleiht dem Plot eine ungewohnte Pointe, dass die Menschheit gegen ein Verhalten protestiert, das sie selbst lange genug gegen Zeitgenossen der eigenen Spezies gepflegt hat und bisweilen noch immer pflegt; Stichwort »Kolonialismus«. ----- In der Religion gilt das Wissen über die wahre Herkunft der Menschheit bewahrt, umgekehrt und als historische Tatsache ausgedrückt: das Wissen um Tatsachen hat die Form religiösen Glaubens angenommen und in dieser Form überlebt. Genau diese Form aber entwertet dieses Wissen in Toms, Claras und Elias’ Welt gegenüber den sog. »Tatsachen«, den »empirisch nachgewiesenen« und in Theorien abbildbaren Gegenständen und Zusammenhängen. Denn religiöser Glaube »weiß« in Form von Mythen, auch wenn die gewussten Gegenstände ihrerseits wieder empirisch nachweisbare und in Theorien abbildbare Gegenstände und Zusammenhänge sind. Allerdings überschreiten sie den Horizont menschlicher Wahrnehmung und damit den des Empirischen und theoretisch Abbildbaren. ----- Die Erzählte Welt lebt vom Konflikt zwischen »wahrer« und »falscher« Religion. Religionen beschreiben den Kosmos, d.h.: die Welt als eine umfassende, endgültigen Grenzen und absolut gültigen Gesetzen unterliegende Ganzheit, indem sie sich mit seinen Erstursachen und seinem Anfang beschäftigen und von ihnen her seine Gestalt und die darin ablaufenden Prozesse und Dynamiken begründen. Religion tritt auf im Kontext von Wesen, die diesen Kosmos als ein Umfeld wahrnehmen, in dem sie selbst vorhanden sind und agieren, von Wesen also, die mit (Selbst-) bewusstsein ausgestattet sind. Ihre Aktionen und Interaktionen wissen sie als ein Teil der im Kosmos ablaufenden Prozesse, sie erfahren zu diesen Prozessen dieselbe Distanz von Ich zu Nicht-Ich wie zu allem anderen, was diesen Kosmos ausmacht. Aus dieser Distanz heraus gewinnen sie Freiheit und Entscheidungsmacht über ihr Tun. Die Beschreibungen in der Religion von Abläufen in diesem Kosmos treten deshalb als ethische Forderungen auf diese Wesen zu. ----- Primans Welt übersteigt den Horizont menschlicher Wahrnehmung und stellt sich aus dieser Warte und mit diesem Argument als die »wahre« Welt vor. Da sie als solche »Wahrheit« aber unter den Menschen nur in religiösem Kontext kommuniziert und gewußt wird, ist es zunächst eine religiöse Welt, mithin ein mythischer Kosmos. ----- Der Markt ist einer der schlimmsten Auswüchse jener »ersten« Entzauberung, weil er den unreifen Menschen zum Zentrum allen Handelns erhebt: der unreife Mensch, geschildert in den Typen Clara und Tom, lebt aus seinen unmittelbaren ichbezogenen Emotionen heraus und auf sie zu, er folgt einer Triebökonomie, deren Gesellschaft sprengende Kraft und Richtung bereits Sigmund Freud dargelegt hat. Der Markt erhebt die Bedürfnisse des Einzelnen und die individuelle Kraft zu deren Befriedigung zum Gesellschaft bestimmenden und gestaltenden Movens. Vergesellschaftung dient nur den individuellen – materiellen – Bedürfnissen und lässt den Einzelnen darüber hinaus in seiner Vereinzelung allein. Dass die Menschheit ihren Zustand erst dann erkennt und ihn zu überwinden sich aufraffen kann, nachdem sie selbst zum Objekt des Marktes geworden ist, zeigt ihre Blindheit, ihre Verzauberung durch die eigenen falschen Interpretationen der Realität. ----- Max Weber hat den Begriff der Entzauberung auf den Abbau transzendentaler Deutungsmuster der Welt (Mythos, Religion, Glaube) angewandt, durch den die Moderne in ihren aufklärerischen Revolutionen sich auszeichnet. Primans Welt wird von einer weiteren aufklärerischen Revolution bewegt, die die moderne Entzauberung ihrerseits als Zauber entlarvt und »ent-« zaubert: zwar wird auch hier der Religion in ihrer hergebrachten mythischen Form der Kampf angesagt, zugleich aber wird sie als Wissensform wieder legitimiert: sie spricht Wahrheiten aus, die im Kosmos realisiert sind und deshalb in nichtreligiöses Wissen transformiert werden können, wenn die Menschen sich von ihren Mythen zu trennen wagen. Denn nicht die Religion ist das schädliche Moment, sondern ihre Verhaftung im Glauben an Mythen, in denen vorläufige Modellbildungen über den Kosmos zu falschen Wahrheiten sich verdichten und die Erkenntnis des Wahren behindern. Primans Welt. ----- Die Welt ist in Überlebensgefahr, es droht eine Invasion durch Außerirdische: sie versammeln sich bereits auf dem Mars und errichten dort eine Operationsbasis. Dieser Gefahr ist die Menschheit in ihrer maßlosen Selbstüberschätzung nicht gewachsen, weil sie sie nicht zu erkennen gewillt ist. Sie hält sich für die einzige intelligente, u.a. zur Raumfahrt fähige Lebensform im Kosmos und kann sich deshalb einen solchen Fall nicht vorstellen. Ein globales totalitäres System hat nach destabilisierenden politischen und gesellschaftlichen Umbrüchen und Katastrophen die einzige Institution unterdrückt, mit deren Hilfe die Menschheit den oben beschriebenen Erkenntnishorizont hätte aufsprengen und auf die wahren Verhältnisse hin erweitern können: die Religion. Denn nur in der Religion wird das Wissen um die wahre Herkunft der Menschen bewahrt: die menschliche Lebensform ist von Außerirdischen gestiftet, sie ist möglicherweise eine biologische Unterart (denn in den Protagonisten Tom und vielleicht auch Clara und Elias treten offensichtlich Mischlinge auf), die sich unter den evolutiv bedeutsamen Bedingungen des Planeten Erde selbständig weiterentwickelt hat. Eben diese Evolution hat jedoch zu der überheblichen Überzeugung geführt, die einzige Lebensform ihrer Art zu sein. Hinweise auf widersprechende Tatsachen werden deshalb unterdrückt und ausgelöscht, vor allem dann, wenn sie die scheinbaren Fortschritte und Errungenschaften zu gefährden drohen. Tatsächlich wird die Erde dennoch gerettet. Allerdings nicht von den Menschen, sondern von einer Gruppe besonderer Wesen, die äußerlich den Menschen gleichen, aber von jener außerirdischen Lebensform unmittelbar abstammen, die einst die menschliche Lebensform auf der Erde begründet hat. Deren nichtmenschliche Eigenschaften und Fähigkeiten haben sie teilweise bewahrt, die vor allem mentalen Fähigkeiten, die intuitive Einsicht in die »wahren« kosmischen Zusammenhänge treten mitunter gemeinsam mit übermächtigen körperlichen Kräften und körperlicher Vollkommenheit auf. Dem Gebrauch ihrer Fähigkeiten steht bisweilen entgegen, daß sie sich ihres Wesens nicht bewußt sind und ihre Kräfte deshalb nicht wecken können. Dieses Wissen bzw. Bewusstsein steht ihnen aufgrund ihres Mischwesens aus Mensch und Alien (gebraucht im allerneutralsten Sinne der »nichtmenschlichen Lebensform«) und der menschlich-evolutiven Degenerierung nicht mehr uneingeschränkt bereit. Ihnen fehlt das Bewusstsein, aus dem heraus sie kooperieren könnten, ihr Wissen ist intuitiv und tritt eruptiv zutage, es bleibt unkoordiniert. Dass trotz dieses offensichtlichen Mangels die Rettung gelingt, verdankt sich der Erzählerfigur Priman. Er koordiniert die Aktionen der Protagonisten im Hintergrund und »spielt Schicksal«, indem er die Protagonisten ohne deren Wissen lenkt und Zusammenhänge im Sinne des Rettungsplanes manipuliert. Die Rettung der Welt besteht in einem Krieg gegen die außerirdischen Invasoren und der Zerstörung ihrer Operationsbasis auf dem Mars, nachdem diplomatische Bemühungen erfolglos geblieben sind. Sie haben erfolglos bleiben müssen, weil die Menschen nicht als Verhandlungspartner erscheinen, sondern als Verhandlungsgegenstand: Die Gefahr für die Erde besteht darin, dass sie mitsamt ihren Bewohnern als Ware in einem Geschäft ihr Selbstbestimmungsrecht verliert, sie ist Gegenstand eines Verwertungsplans geworden, der ausschließlich den Nutzen der neuen Eigentümer berücksichtigt, und so den Globus zum Schürfgebiet und die Menschen zu intelligenten Maschinen degradiert. Das Ende bleibt offen für neue Plots, auch für die Weiterführung des mit der Vertreibung der Außerirdischen zunächst beendeten: Die Bemerkung »Der Cyborg mit dem eingedrückten Gesicht sitzt an einem Schaltpult an der Seite. Unbemerkt von allen kommuniziert er mit Fat Joe, der auf dem Monitor vor ihm zu sehen ist.« (XII/7, p.91:4) deutet darauf hin, dass der Feind zwar zunächst verscheucht ist, sich aber noch nicht geschlagen gibt. Ist der Cyborg ein Spion für Fat Joe? Steht seine Bekehrung noch aus? Auch Primans Auftrag ist nicht ausgeführt, sondern er fängt gerade erst an. ----- In diesem mythischen Kosmos leben Götter unter Menschen und bestimmen deren Schicksal. Folglich treten Tom, Clara, Elias und Sandrine zunächst als Götterfiguren auf. Es sind typisch mythische Götter, die sich von den Personifizierungen der platonischen Einheitsidee oder der aristotelischen Erstursache in den großen Buchreligionen grundlegend unterscheiden. Mythische Götter sind Übermenschen: die Verwandtschaft mit den personifizierten Urprinzipien verleiht ihnen »übernatürliche«, d.h.: menschliche Normalität überschreitende Fähigkeiten, sie glänzen mit körperlicher Vollkommenheit und übernatürlichem »Wissen«; dieses »Wissen« um die »wahren« Zusammenhänge des Kosmos eröffnet ihnen Handlungshorizonte, die den Menschen versperrt bleiben, und läßt sie »übernatürlich« erscheinen. Dennoch sind ihre Fähigkeiten gerade nicht »über«-natürlich, sondern ebenso natürlich wie die der Menschen, sie entspringen lediglich einer tieferen Einsicht in die tatsächlichen kosmischen Verhältnisse. Die »Natur« eines Wesens hängt von seinem Wissen von ihr ab. Deshalb sind diese »Götter« auch verwundbar bis hin zur Zerstörung ihres physischen Daseins. Auch ihre nichtmenschliche Abstammung, das zweite Merkmal ihrer Göttlichkeit, führt nicht etwa zurück auf einen mythischen Ursprung, sondern wiederum auf durchaus geschichtliche Wesen, deren einziges Differenzkriterium zum Menschen der Ort ihrer Herkunft und ihres Entstehens innerhalb ein und desselben Raumzeitkontinuums ist. Die Halbgötter Tom, Clara, Elias und Sandrine sind Halbaliens; keine präexistenten Wesen, sondern lediglich andere Lebensformen mit anderen biologischen Parametern und anderen kulturellen Formen. Das Göttliche entzaubert sich als das menschlicher Borniertheit durch Raum, Zeit und Evolution unerreichbare Andere, das seinen qualitativen Vorsprung aber innerhalb eines gemeinsamen Kosmos gewinnt. Deshalb steht dieser »göttlichen« Andersheit ein mitunter nur allzumenschlicher Charakter gegenüber: sie hassen, sie hadern mit ihrem Schicksal und mit ihrer Umwelt, sie zerfleischen sich in Selbstzweifeln, weil sie die nach außen getragene Größe in sich selbst vermissen. Solche Götterfiguren mit Kindern, Heranwachsenden und früherwachsenen Kraftmeierinnen zu besetzen, gefällt mir ausgesprochen. Denn in ihrem »Erwachsenwerden« durch das Scheitern an ihrem jugendlich übermütigen Selbstherrlichkeitswahn durchleben sie als Individuen das, was in Primans Welt der ganzen Menschheit zu tun aufgegeben ist. Toms und Claras Geschichte im vorliegenden Manuskript kreisen um die Katharsis nach dem Scheitern an den eigenen Ich-Vorstellungen, die innere Wandlung und das dann mögliche innere Wachstum zur echten Existenz. ----- Tom Er wird von Priman als »Gott« eingeführt und sogleich in seiner Brüchigkeit vorgeführt. Denn dieser Gott zeigt seine Sportlichkeit nur zu einem Zweck: seine Geliebte zu sehen. Und gleich im Angesicht dieser zweiten Göttin, Clara, verfällt er in ärgste Selbstzweifel, ob er denn dieser Göttin würdig sei. Er hält sich für einen Langeweiler und nicht etwa für einen Gott, denn von seiner Herkunft weiß er nichts; er ist bereits so sehr »Mensch geworden«, dass er diese Wahrheit für einen religiösen Mythos, für einen Blödsinn hält. Das entfremdet ihn von seinen Eltern und macht ihn zu einem Einsamen, der an seiner »göttlichen« Herkunft und auch dem Heldentum leidet, zu der ihn diese Herkunft verdammt. Er möchte aus dieser Hölle ausbrechen. Dabei lebt er in einem irdischen Paradies und teilt es mit seiner Geliebten: die Insel Marianne gehört nicht zum Machtbereich der Weltregierung, profitiert höchstens von deren strengen Reglements, weil die Touristen von dort hier das ausleben können, was ihnen »zuhaus« verwehrt wird, und was auszuleben sie genau genommen auch fürchten. Die Natur ist freundlich, wenn man zu ihr freundlich ist – und dies leistet Tom, es ist für Tom ein Ort relativ friedlicher Harmonie – allerdings auch ein langweiliger Ort. Dass Marianne längst ein Teil der Welt ist, von der sich diese Inselwelt offiziell absondert, erfährt und erlebt Tom erst durch den Anschlag auf sich und seine Familie. Tom lebt sehr stark aus seinem Ich heraus und auf es zu, er ist sehr stark »Mensch«. Sein einziger echter Wunsch besteht darin, ein richtiger Mensch zu sein: in gesunden, herzlichen Beziehungen zu leben, Kind von Eltern sein zu dürfen, eine Familie zu haben. Selbst der Wunsch danach, etwas Bedeutendes zu leisten, die Welt zu retten, entspringt letztlich dem Wunsch nach einer typisch menschlichen, nämlich sexuellen Beziehung: seiner Verliebtheit in Clara; denn er wird ausgelöst durch das Minderwertigkeitsgefühl, ihr als Mann nicht genügen zu können. Tom durchlebt die ganze Zerrissenheit seiner Mischexistenz, der gegenüber die Virtualität der Raum zu sein scheint, in dem er sich wohlfühlt. Dort ist der »Held« seiner geliebten Computerspiele, weil er diese virtuellen Welten vollkommen beherrscht, und weil dort Ereignisse geschehen, in denen solches Heldentum auch vorkommen kann; auf Marianne geschieht nichts. Entsprechend rettet er die Marsmission, indem er sie als eine virtuelle Welt handhabt, in der er ausprobieren und wiederholen kann, was in der sog. Realität nur einmal geschehen kann und dort entweder endgültig gelingt oder ebenso endgültig scheitert. Tom fällt deshalb aus den gängigen literarischen Typen des Helden und des Antihelden heraus, auch »tragisch« allein kann man ihn nicht bezeichnen: zwar will er das Kleine und erreicht dadurch das ganz Große – und das ließe sich als eine Form des Scheiterns erkennen. Doch hat er das ganz Große – die Rettung der Welt – ja nicht gerade zu vermeiden versucht, vielmehr erreicht er auf diesem Weg alle seine Ziele und wächst sogar als Persönlichkeit, findet sogar so etwas wie Frieden in sich, wenn er zum einen seine Eltern wiedersehen darf und dabei seine wahre Herkunft kennenlernt und zum anderen als Weltenretter mit seiner Geliebten zusammen um die Welt kämpft. ----- Katharsis und Metamorphose Tom durchläuft ähnlich Clara zwei Metamorphosen. Allerdings umgekehrt wie sie. Dafür ausschlaggebend ist seine Begegnung mit seinen Eltern (VIII/2, pp.58:3-59:3), die ihn zum einen aus seiner Einsamkeit befreit und seinen – nicht zugegebenen – Glauben in Gewissheit transformiert, dass sie nur ihre Existenzweise gewechselt haben, aber noch »leben«, zum anderen auch über seine »wahre« Herkunft aufklärt und dadurch eine neue Sicht auf die Welt und den Kosmos eröffnet. Noch in der überraschenden Begegnung mit Louzifer (X/3, pp.72:4-73:2) zweifelt er an sich und seinen Fähigkeiten, quält sich in Minderwertigkeitsgewissheiten. Doch als er dem Präsidenten die wahren Absichten der Außerirdischen vorführt und ihnen die Wahrheit über deren Angebot einer vordergründig glücklichen Welt eröffnet (XI/4, pp.78:2-80:1), ist er bereits verwandelt; diese Wandlung wäre es wert zu erzählen. Er hat »seinen Geist vom Leiblichen und Weltlichen … frei gemacht …« (Priman zu Anfang von (X/3, p.72:4), er gewinnt zunehmend die Freiheit von seiner physischen Existenz und dadurch Kontrolle über sie. Er ist jetzt geistig gereift für die zweite Metamorphose, und so wird ihm »vom Schicksal«, hinter dem Priman zu vermuten ist, die Gelegenheit für eine zweite Metamorphose gegeben: die zum absoluten Geistwesen mit vollkommener Kontrolle über die physische Erscheinung. Es ist ihm wohl schon immer gegeben gewesen, denn den Sturz in den Quadstrahl hat er bereits im Kollosseum als Computerspiel geprobt und dort eine virtuelle Welt durch Selbstaufopferung »gerettet«. Was damals aber möglicherweise noch aus Welt- und Selbstverachtung geschah und in der Virtualität auch zum individuellen Untergang geführt hat, gewinnt ihm im Quadstrahl eine neue Existenzform. Er wird befreit von seiner Körperlichkeit, die er nun willentlich und frei wählen kann, seine Existenz ist von nun an nur noch durch Geist und Willen bestimmt. Er gewinnt durch diese neue physische Gestalt seine Familie zurück, lebt möglicherweise in ihrer Wirklichkeit und kann von dort aus jederzeit in die menschliche Wirklichkeit zugreifen, denn die ist nur ein – menschlicher – Ausschnitt. In dieser Metamorphose steckt ein messianisches Motiv der Selbsthingabe für die Welt und dadurch vollzogener Metamorphose zu wahrer Göttlichkeit; sich vor aller Welt in seiner wahren Daseinsweise zu offenbaren. ----- Clara
Selbständigkeit, Überlegenheit, Mut und ein bißchen draufgängerische Lust an der Auseinandersetzung, das sind die Merkmale, die an Claras Auftreten auffallen. Sie tritt auf als eine schöne, stolze und anmutige Frau, die ihren Mut sowohl den Zivilisationsverkrüppelten Touristen gegenüber als auch den Geheimdienstleuten auf den Seychellen beweist. Ihr sportlich durchtrainierter Körper hilft ihr, sich gegen alle Angriffe gnadenlos durchzusetzen. Sie ist überlegen in jeder Situation. Durch ihren »Unfall« verliert sie all diese Attribute, soweit sie sich physisch entfalten, sie muß deshalb um des eigenen Überlebens willen eine innere Wandlung vollziehen, ähnlich der von Tom, nachdem er seine Eltern verloren hat. Vor dieser Katharsis flieht sie zunächst, denn als Tom und Jack sie in ihrem Büro besuchen, hat sie bereit wieder kämpferische Pläne gefaßt: sie will die »Wahrheit« der Dinge gegen jeden Widerstand aufdecken – so wie sie es früher bereits getan hat, als sie die Schüsse auf Marianne Island gesehen bzw. gedeutet hat. Es geht ihr dabei um politische Wahrheit, um die Bewahrung der Freiheit. ----- Clara weiß offensichtlich intuitiv von den wahren kosmischen Zusammenhängen, denn in ihr arbeitet eine Sehnsucht nach den Sternen: wenn sie auf dem Boden liegt und den Himmel anmeditiert genauso wie am offenen Fenster ihres Büros, wenn sie vom Himmel als dem »Tor zu einer anderen Welt« spricht und sich den Schlüssel dazu wünscht (II/7, p.20:2). Nur vor dem Hintergrund solchen Wissens »erklärt« sich ihre Beziehung zu Tom, erklärt sich vor allem, dass sie mit ihrem eigenen Leben das seine rettet. ----- Wo Tom sich durch Katharsis die Metamorphose »verdient«, sich reif dafür macht, mit einer neuen Freiheit verantwortungsvoll umzugehen, gelingt Clara zunächst die Flucht in die physische Metamorphose, durch Elias’ Eingreifen wird sie frei von ihrem physischen Jammerdasein, der vollkommenen Hilflosigkeit, dem körperlichen Verfall, und gewinnt die alte Kraft und Schönheit zurück und die Freiheit von aller physischen Einschränkung noch dazu. Dies führt sie aber eben gerade nicht in die Freiheit, verantwortungsvoll mit ihrer Welt umzugehen, sondern in den Rückzug in ein noch nicht befreites Ich, das zu sehr seiner Lust lebt und anfällig wird gerade für die Unwahrheit: sie wird bestechlich, sie sucht den Rauschzustand, ergibt sich in den Genuß ebenjener Körperlichkeit, von der sich zu befreien erst zur gesuchten und ersehnten Wahrheit führte.
Sie bekommt diese Katharsis nicht geschenkt, sie muß sie dennoch durchleben: in Auseinandersetzung mit ihrem »alten« Ich. Sie scheint eher auf Ganzheiten sich auszurichten. Diese Ganzheit auch für ihre eigene Existenz zu gewinnen, wird ihr zur besonderen Lebensaufgabe, weil sie sie durch den Unfall/die Rettung Toms – sie liebt ihn ebenso? – und die Reparatur durch Elias auf sehr drastische Weise verliert. Sie zerfällt in zwei durch unterschiedliche physische Daseinsweisen bedingte Persönlichkeiten, die sich einander entfremden, weil die eine das »alte« Leben weiterlebt und dazu die Möglichkeiten des »neue« Lebens benutzt; das VIP-Taxi, ohne auf dessen besondere Verhältnisse und Bedürfnisse zu achten. Sie erlebt die Diskrepanz von Körper und Geist in ihren beiden Daseinsweisen und deren Persönlichkeiten und muss einen Lernprozess durchlaufen, der sie sensibel macht für die beiden Seelen, die – ach – in ihrer Brust wohnen. ----- Metamorphose
Auch sie durchlebt eine Metamorphose. Allerdings geht der geistigen die physische (V/3, pp.36-40) voran und führt deshalb in Krise und Beinahe-Katastrophe. Claras vormetamorphotischer Geist lebt in ihrer nachmetmorphotischer Physis als Beta-Einheit weiter und gerät in Konflikt mit Claras nachmetamorphotischem Geist. Letzterer nämlich lebt aus der Erfahrung vollkommener körperlicher Hilflosigkeit und beobachtet aus dieser Perspektive, wie Clara 2 sich hemmungslos auslebt und, ausgestattet mit optimalen und nahezu uneingeschränkten körperlichen Fähigkeiten, an ihre Triebhaftigkeit zu verlieren droht.
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